Stranzendorf

 

 

 

 

 

 

 

 

Es war in früherer Zeit üblich, dass kleinere Orte von den Pfarrorten getrennt und zu eigenen Seelsorgestellen erhoben wurden. Nun gibt es aber selten sowohl in den alten Mutterpfarren, noch in den neu errichteten einen schriftlichen Vermerk darüber. So ist es auch in diesem Fall. Es ist daher schwer, vom ersten Ursprung der Pfarre Stranzendorf mit geschichtlicher Sicherheit zu berichten. Alles, was zu diesem Thema gesagt werden kann, ist folgendes:

Ursprünglich gehörte die Pfarrgemeinde Stranzendorf mit der bestehenden Feste Eggenburg (Ebenberg) zur Pfarrkirche St. Agatha in Hausleiten und damit zur Diözese Passau.

Im Jahre 1212 soll in Stranzendorf bereits 1212 ein Capellanus gewesen sein. Und wenn der Ort in diesem Jahr noch keinen eigenen Seelsorger hatte, so besaß er in diesem oder doch schon im folgenden Jahrhundert eine Kirche oder ansehnliche Kapelle. Diese war vom Friedhof umgeben. In dieser Kapelle haben die Cooperatoren von Hausleiten mit Einwilligung des damaligen Pfarrers von Hausleiten, Albertus de Oyta, und mit Genehmigung des Bischofs von Passau, Georg I., Graf von Hohenlohe, auf Kosten der Gemeinde eine selbständige Pfarre errichtet. Bekannt ist, dass im Jahre 1444 Wolfgang Wolf Pfarrer von Stranzendorf war. Wo der Pfarrhof stand, ist nicht bekannt.

Nach dem Jahr 1444 finden sich über Pfarre und Kirche lange Zeit keine Aufzeichnungen. Die letzte Erwähnung der hiesigen Pfarre erfolgte am 12. Feber 1558 – doch wurde da der Pfarrer nicht mit Namen genannt. In der Folge kam es zu einem Verfall der Pfarre, wahrscheinlich blieb sie bis zur Neugründung im Jahre 1711 unbesetzt. Und so wurde Stranzendorf wieder eine Filiale von Hausleiten. Die Seelsorge wurde von Hautzenthal, meist aber von Niederrussbach aus versehen.

Die Lehre Luthers war bald nach ihrem Entstehen durch protestantische Prädikanten (Prediger) und eingeschmuggelte Bücher bekannt geworden. Viele Städte waren protestantisch und in den Dörfern wurden die Leute von den lutherischen Adeligen zur Annahme der neuen Lehre gezwungen. Viele Gutsherren rissen Grund und Boden der katholischen Pfarren an sich, der nie mehr dem rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben wurde.

Nachdem die hiesige Pfarrgemeinde gegen 150 Jahre ohne eigenen Pfarrer gewesen war, macht die damalige Herrschaftsbesitzerin Anna Franziska, verwitwete Gräfin von Kuefstein, dem Official der Passauer Diözese für Niederösterreich im Jahre 1711 den Vorschlag, die hiesige Pfarre wieder zu errichten und außerdem den ihr unterstehenden Ort Oberparschenbrunn, der bisher zu Göllersdorf gehörte, Stranzendorf einzupfarren und einzuschulen. Sie versprach auch einen Pfarrhof zu bauen, er stammt aus dem Jahre 1712. Der Stiftsbrief wurde am 20.11. November 1711 angenommen.

Die barocke Pfarrkirche ist 1733 nach Plänen von Johann Lukas von Hildebrand erbaut worden, 1783 kamm die Pfarre Stranzendorf zur neu gegründeten Diözese Wien.

Der schlanke Fassadenturm mit Blendrahmengliederung trägt das Wappen der Familie Schönborn. Im Kircheninneren befinden sich 2 kuppelige Kreuzgewölbe mit ovalen Spiegeln auf Wandpfeilern, der Chor flachbögig geschlossen. Das Hochaltarbild entstand 1842 vom Kuppelwieser Schüler Johann Ranzi, die Altäre wurden nach Entwürfen von Johann Lukas von Hildebrand um 1750 ausgefertigt. Die Pfarrkirche ist Peter und Paul geweiht. Die Pfarre liegt im Vikariat unter dem Manhartsberg.

 

 

Rechter Seitenaltar – Gesamtansicht

Holz, marmorierte Fassung, Skulpturen und pflanzliche Applikation vergoldet.

Altarbild: Apotheose hl. Franz Xaver, hochformatige Ölmalerei auf
Leinwand, in ondulierenden Rahmenformen, Rahmen holzgeschnitzt,
teilweise vergoldet, teilweise schwarz gefasst.

Altar von J. Lukas von Hildebrandt entworfen. Barock um 1730

 

 

 

Linker Seitenaltar – Altarbild

Darbringung Jesu im Tempel.

Hochformatige Ölmalerei auf Leinwand, in schwarz-goldgefaßtem Rahmen in
odulierender Form, folglich Bildnähte.
Möglicherweise Bild aus Schönborn´schem Besitz stammend und erweitert
für die spezielle Rahmenform.
Einblick in erleichteten Tempel-Zentralbau, bühnenartig durch Vorhang
gerahmt, gestaffelte Figurenkomposition. Barock, erstes Drittel 18. Jahrhundert.